#1 Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von La_Croix 08.05.2020 07:57

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Zitat
Lärm, Vandalismus und eine erhöhte Kriminalitätsrate in der Nachbarschaft hinterlassen Spuren im Erbgut. Eine Untersuchung aus den Niederlanden zeigt, dass die Bewohner, die ihren Stadtteil als problematisch einstufen, kürzere Telomere haben. Eine Verkürzung dieser Endabschnitte der Chromosomen gilt als Marker für das biologische Alter. Die Länge der Telomere entscheidet über die in Zukunft noch möglichen Zellteilungen. Ohne weitere Zellteilung kommt es aber zu einer Alterung des Organismus.

Ein Team um Mijung Park von der University of Pittsburgh School of Nursing hat die Telomerlänge in den Leukozyten von Teilnehmern der Netherlands Study of Depression and Anxiety bestimmt. Diese waren im Rahmen der Studie auch zu ihrer Wohnsituation befragt worden. Sie hatten im Fragebogen angegeben, ob sie sich durch Lärm oder Vandalismus gestört fühlen und ob sie ohne Furcht allein die Wohnung verlassen.

Park fand heraus, dass die Telomere von Bewohnern, die ihre Nachbarschaft als störend und unsicher einstuften, um 69 Basenpaare kürzer waren als in ruhigeren Stadtteilen. Laut anderen Untersuchungen entspricht dies immerhin einem Unterschied von 12 Lebensjahren. Der Wert erscheint recht hoch.

Frühere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass sozioökonomisch benachteiligte Menschen eine niedrigere Lebenserwartung haben. Dies wurde bisher weniger auf die empfundene Lebensqualität, sondern eher auf einen ungesunden Lebensstil mit Risikofaktoren auf Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs zurückgeführt. In der aktuellen Untersuchung wurden diese Faktoren so weit es ging berücksichtigt.


https://www.aerzteblatt.de/blog/63272/Le...kuerzt-Telomere


Living in a neighbourhood with a high crime rate can take a DECADE off your life, claim scientists
-Study found living in noisy area with high crime takes 12 years off you life
-'Disadvantaged' areas also negatively impact mental and physical health
-Researchers focused on telomeres which are protective stretches of DNA
-They examined telomere length in blood cells of 2,902 Dutch people

Zitat
Living in noisy areas plagued by high crime and vandalism can take 12 years off your life, new research has revealed.

A University of Pittsburgh study found that people in 'disadvantaged' neighbourhoods are biologically more than a decade older than those in quieter areas - regardless of chronological age.

It was also shown to have an unfavorable impact on mental and physical health, lead author Professor Mijung Park said.


https://www.dailymail.co.uk/news/article...ECADE-life.html


Study: Bad neighborhoods linked to faster cellular aging
Researchers showed that cells in the bodies of people who live in perceived bad areas age faster.

Zitat
There already was evidence that living in bad neighborhoods has a negative effect on both physical and mental health, and now a new study shows that the residents of places with high crime, noise and vandalism are biologically more than a decade older than people in better neighborhoods of the same chronological age.

The stresses of living in a neighborhood perceived to be bad may actually contribute to cells in the body aging faster than those in people who live in neighborhoods not characterized by disorder, crime and noise.


Zitat
Researchers examined telomere length in the white blood cells of 2,902 Dutch men and women who participated in the Netherlands Study of Depression and Anxiety, determining the quality of their neighborhoods based on measures of crime, disorder, noise and vandalism, as well as fears of those things happening.

"The differences in telomere length between the two groups were comparable to 12 years in chronological age,"


Zitat
Compared to participants living in good neighborhoods, the telomere length of people in moderate neighborhoods was an average of 69 base pair shorter, while the telomere length of those in bad neighborhoods was an average of 174 base pair shorter.

Researchers say the results show biological aging processes may be affected by socioeconomic conditions.


https://www.upi.com/Health_News/2015/06/.../3991434659061/


UPitt researchers find link between neighborhood quality and cellular aging
https://www.eurekalert.org/pub_releases/...s-prf061815.php
https://www.sciencedaily.com/releases/20...50618122228.htm

Originalstudie:
Where You Live May Make You Old: The Association between Perceived Poor Neighborhood Quality and Leukocyte Telomere Length
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4471265/
https://journals.plos.org/plosone/articl...al.pone.0128460

#2 RE: Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von bul 08.05.2020 08:21

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Nach meiner Wahrnehmung kommen aber
- Wohnen im schlechten Wohngebiet mit Kriminalität
- Rauchen
- Saufen
- schlechte nährstoffarme Ernährung
- Bildungsferne (weniger intellektuelle Stimulation)
oft genug in einem Gesamtpaket. Auch wenn dies möglicherweise eine vorurteilsbehaftete Stigmatisierung ist, so spiegelt dies meine persönlichen Erfahrungen mit diesen Kreisen in meiner Jugend wieder.
Derartige Assoziationsstudien zeigen dann leider nicht den oder die Verursacher an.
Bei der Furcht und Depressionsneigung wissen wir ja dass dies zum überwiegenden Teil an Mikronährstoff- oder Proteinmängeln, also der Ernährung, liegt (Sonst würden ja Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) nicht wirken).

Sehr interessant, dass sich dies auch auf die Telomerlänge auswirkt. Vielen Dank für die Infos.

Grüße,
Bul

#3 RE: Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von La_Croix 08.05.2020 08:58

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Zitat von bul im Beitrag #2
Nach meiner Wahrnehmung kommen aber
- Wohnen im schlechten Wohngebiet mit Kriminalität
- Rauchen
- Saufen
- schlechte nährstoffarme Ernährung
- Bildungsferne (weniger intellektuelle Stimulation)
oft genug in einem Gesamtpaket. Auch wenn dies möglicherweise eine vorurteilsbehaftete Stigmatisierung ist, so spiegelt dies meine persönlichen Erfahrungen mit diesen Kreisen in meiner Jugend wieder.
Derartige Assoziationsstudien zeigen dann leider nicht den oder die Verursacher an.
Bei der Furcht und Depressionsneigung wissen wir ja dass dies zum überwiegenden Teil an Mikronährstoff- oder Proteinmängeln, also der Ernährung, liegt (Sonst würden ja Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) nicht wirken).

Sicher wahr, aber die Forscher weisen extra darauf hin, dass sie versucht haben andere Faktoren heraus zu rechnen. Das geht sicher nicht zu hundert Prozent und es bleibt eine Restunsicherheit.
Aber ich denke schon, dass es einen von anderen Faktoren unabhängigen Einfluss der Wohngegend gibt, der nicht zu vernachlässigen ist (bzw. eigentlich ist es weniger die "Wohngegend", sondern das VERHALTEN der Menschen untereinander, die dort leben).

Die Forscher gehen von einem Effekt von 12 Jahren aus, den man durch schlechte Wohngegend vorzeitig altert. Mal angenommen, der Effekt ist nur zu einem Drittel durch die Wohngegend verusacht, bleiben immernoch beachtliche 4 Jahre.
Wir wissen ja dass sich Lärm negativ auswirkt und zu viel Arbeit die Telomere verkürzt und dass fehlende Erholung eher nicht durch gesunden Lebensstil wettgemacht werden kann.
Psychische Belastungen haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit.

P.S.: Ein Teil des Effekts kommt vielleicht auch dadurch zustande, dass Menschen in gefährlichen Gegenden deutlich weniger zu Fuß unterwegs sind? Dann auch weniger in die Sonne gehen, oder an Orte mit Bäumen und ein bisschen Natur?

#4 RE: Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von parcel 08.05.2020 11:15

Zitat von bul im Beitrag #2
Bei der Furcht und Depressionsneigung wissen wir ja dass dies zum überwiegenden Teil an Mikronährstoff- oder Proteinmängeln, also der Ernährung, liegt (Sonst würden ja Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) nicht wirken).


SSRI helfen ja auch nicht wirklich, so viel ich weiß, müssen Menschen diese Medikamente bei Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Leiden dann ständig und lebenslang nehmen. Wenn die Probleme durch eine Verarmung an Mikronährstoffen ect. ausgelöst werden, können sie ja auch keine richtige Lösung sein.

#5 RE: Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von La_Croix 09.05.2020 09:10

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Vielleicht hat aber auch Umweltverschmutzung einen größeren Einfluss auf die Gesundheit, als die Autoren der Studie zum Einfluss der Wohngegend annehmen?

Vielleicht, wohnen ja die Menschen in problematischen Nachbarschaften einfach näher an Fabriken, oder Mülldeponien, weil die Gegenden eben billig sind?

Zitat
Menschen etwa, die in der Nähe von Fabriken leben, haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen, die neben einer wilden Giftmülldeponie leben, haben ein höheres Risiko für Atemleiden und Hauterkrankungen als welche, deren Häuser an Parks oder Wälder grenzen. Bei großer Hitze und Smog häufen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Umgebung hat einen großen Einfluss.


https://www.welt.de/gesundheit/article14...-ausloesen.html

Oder es gibt dort eben weniger Grün?

Es ist sicher sehr schwer, jeden Faktor richtig zu erfassen, um für jede Wirkung korrekt quantifiieren zu können, sei er Umweltbedingt, Sozial, Ernährungs- oder Bewegungsbedingt....

#6 RE: Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von bul 09.05.2020 14:29

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Zitat von parcel im Beitrag #4
SSRI helfen ja auch nicht wirklich, so viel ich weiß, müssen Menschen diese Medikamente bei Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Leiden dann ständig und lebenslang nehmen. Wenn die Probleme durch eine Verarmung an Mikronährstoffen ect. ausgelöst werden, können sie ja auch keine richtige Lösung sein.


Frag mal Betroffene: SSRI helfen in den meisten Fällen tatsächlich. Nämlich dann, wann immer ein Mangel an Serotonin im synaptischen Spalt die Ursache ist. Bei anderen Ursachen (Traumata etc.) helfen SSRI manchmal kaum bis gar nicht.
SSRI sorgen halt dafür, dass das Serotonin länger im synaptishen Spalt bleibt, was ja irgendwie schon hilft.

Ich denke aber du zielst eher darauf ab, zu fragen "Wieso ist denn überhaupt zuwenig Serotonin da?".
Wenn zuwenig von etwas da ist, dann verschwindets zu schnell oder es wird zu wenig hergestellt.
Die Arznei geht den Weg das "Entziehen" zu hemmen, was ja einen künstlicher Eingriff in die Hirnchemie darstellt.
Ein natürlicher Eingriff in die Hirnchemie wäre es die Grundstoffe Serotonin sowie von den herstellenden Enzymen zu erhöhen und zu schauen, was der Körper des Betroffenen damit macht.
Wenn eine Linderung der Depression eintritt wars der Mangel, wenn nicht kann man ja immer noch die SSRI einnehmen.

Vorstellen könnte ich mir als Ursache auch ein zurückliegenden Abusus von Drogen oder anderen Pharmazeutika, die Auswirkungen auf die "Happyness" haben. In solchen Fällen ist das Sezernieren und Wiederaufnehmen von Neurotransmittern ohnehin gestört.
Wenn SSRI solchen Patienten noch helfen können würde ich SSRI nicht von vorneherein ausschließen, und hoffen, dass alle orthomolekularen Maßnahmen eine Normalisierung bewirken und das Antidepressivum ausgeschlichen werden kann.

Sorry, das war jetzt aber offtopic. Zurück zu schlechten Wohngegenden. :)

Grüße
Bul

#7 RE: Schlechte Wohngegend verkürzt Telomere von Tizian 09.05.2020 16:14

Zitat von La_Croix im Beitrag #5
Vielleicht hat aber auch Umweltverschmutzung einen größeren Einfluss auf die Gesundheit, als die Autoren der Studie zum Einfluss der Wohngegend annehmen?

Vielleicht, wohnen ja die Menschen in problematischen Nachbarschaften einfach näher an Fabriken, oder Mülldeponien, weil die Gegenden eben billig sind?

Zitat
Menschen etwa, die in der Nähe von Fabriken leben, haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen, die neben einer wilden Giftmülldeponie leben, haben ein höheres Risiko für Atemleiden und Hauterkrankungen als welche, deren Häuser an Parks oder Wälder grenzen. Bei großer Hitze und Smog häufen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Umgebung hat einen großen Einfluss.

https://www.welt.de/gesundheit/article14...-ausloesen.html

Oder es gibt dort eben weniger Grün?

Es ist sicher sehr schwer, jeden Faktor richtig zu erfassen, um für jede Wirkung korrekt quantifiieren zu können, sei er Umweltbedingt, Sozial, Ernährungs- oder Bewegungsbedingt....



Es gibt einen ganz einfachen Faktor dieser statistischen Lebensverkürzung, ob sie nun stimmen mag oder nicht. Auch unabhängig von allen bisher hier genannten Faktoren, die Scheinfaktoren sind. Ich bin sogar erstaunt darüber, wie grün diese Satellitenwohngebiete seinerzeit angelegt worden sind, mit riesigen Grünflächen, großen Spielplätzen usw. Man hat schon recht genau ausgerechnet, wieviel solcher Flächen so viele Menschen brauchen. Im Vergleich zu innerstädtischen, eng bebauten Wohngebieten ergießen sich diese Siedlungen praktisch in unendlich großen Grün-und Freiflächen. Davon träumen selbst die teuren Jugenstilwohngebiete in Hamburg, München usw., die sich nur von ihren Straßenrandpappeln ihren Grünanteil holen.

Das Problem sind nicht die Wohnbedingungen, sondern die Menschen. Das dortige Prekariat und die damit verbundende Kriminalität. Wie viele solcher Wohngebiete gab es, die jahrzehntelang für gutes Wohnen und günstige Mieten, mit gepflegten Gebäuden etc. durchaus in der Schicht gefragt waren, die sich nur dort Mieten leisten konnten und dort auch gern gewohnt haben.

Mittlerweile dem seit Jahren stattfindenden "Mieteraustausch" geschuldeten und von der allbekannten Klientel heimgesuchten, heruntergekommenen Nutzerwechsel dieser Wohngebiete, sind diese nun oftmals ein Hort von Dreck, Stress und Kriminalität.

Kein Wunder also, das die Telomere zumindest nicht bei den normalen Leuten wachsen, die noch Recht, Sicherheit und Ordnung gewöhnt sind. Um es mal nett auszudrücken.

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