#1 Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Julie 24.08.2017 10:58

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/...id_7505104.html

#2 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Dr.Faust 24.08.2017 11:35

Das haben auch andere Zeitungen berichtet. Nur keine Panik. Die Angaben sind
sowas von unpräzise, in der Form Müll. Kann ja sein, dass man nicht 10 Jahre
höchstdosiert B12 einnehmen soll. Dass die Spiegel von B12 meist zufriedenstellend sind,
muss nicht stimmen. Man kann es beim Hausarzt bestimmen lassen.

Vitasprint enthält 500 ug, ich nehme periodenweise B12 Ankermann mit 1000 ug.
B6/B12 sind wichtig für den Abbau von Homocystein, also der Reduzierung von
Entzündungen.

Und dann wieder reißerisch: Vitamin-Präparate erhöhen das Lungenkrebs-Risiko
(also alles von A bis K). Wenn man liest, kommen dann die Einschränkungen.
Bild-Niveau.

#3 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Scout 24.08.2017 11:55

Es ist assoziiert. mit einem höheren relativen Risiko (HR). Vor allem bei Rauchern. Viel weniger bei Nichtrauchern.

Es kann sein, dass B-Vitamine wie alle anderen Vitalstoffe auch bestehenden Krebs zum Wachsen bringen. Er muss aber bereits da sein in diesem Falle.


Es kann auch sein dass es sich hier bei den Nichtrauchern um einen statistischen Ausreisser handelt (Das untere HR des 95%-Konfidenzintervall liegt bei 1,27)

Es kann aber auch sein, dass Leute, die ein riskantes Verhalten zeigen (etwa Asbestbelastung oder Feinstaubbelastung) dieses mit extra Vitaminen auszugleichen versuchen und ihr Risiko tatsächlich damit senken, dies sich aber nicht in der Statisitk zeigt (ihr HR wäre sonst noch höher). Oder dass Ex-Raucher ihren damaligen Konsum durch extra Vitamine versuchen auszugleichen (so jemand bin ich!) und ihr Risiko verglichen mit anderen Ex-Rauchern dadurch sinkt, aber immer noch höher ist als von Niemals-Rauchern. Wer weiss das schon?

Einen kausalen Zusammenhang kann mit diesen Korrelationen jedenfalls nicht zeigen! Dazu müsste man

a) eine biochemische Ursache aufzeigen und

b) beiden Gruppen randomisiert ein Placebo oder eine Vitaminkapsel geben und abwarten.

#4 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Windsurfer 24.08.2017 14:17

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im Focus-Text heißt es auch:

"Das Risiko war nur für Einzelpräparate nachweisbar, nicht bei Multi-Vitamin-Tabletten."

Habe schon in verschiedenen Quellen gelesen, dass B-Vitamine möglichst zusammen genommen werden sollen. Mir ist bis heute nicht wirklich klar warum.
Wenn es stimmt, kann man mit 2/D kaum etwas falsch machen. Allerdings nehme ich zeitweise noch ein Produkt mit Folsäure und Vit. B12 extra. Das Rauchen stoppte ich zum Glück schon vor 45 Jahren.

#5 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Julie 24.08.2017 15:26

@Windsurfer
was ist gemeint mit 'Multivitamin'..ein Vitamin B Komplex?
Ich habe einen B-Komplex einem Freund empfohlen, der immer wieder Nervenschmerzen hatte. Ich dachte bei ihm schon an eine Alkoholiker Neuropathie. Unter Vitamin B hat sich alles gebessert.
Nun schickte er mir diesen Artikel und ich weiß nicht, ob ich meine Empfehlung weiterhin aufrecht erhalten kann.
Liebe Grüße von Julie

#6 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von mithut 24.08.2017 15:38

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Vor ein paar Jahren war es mal Beta-Carotin bei Rauchern (glaub ich),
bei Normal-ge- und -verbrauch halte ich das alles für ziemlichen BS,
... außer vll bei echten Megadosen ...

#7 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Tizian 24.08.2017 17:39

Also wer jetzt tatsächlich Angst vor seinem bisherigen Vit-B-Komplex bekommt, der greift dann einfach auf die gute alte Bierhefe zurück. Gesünder und natürlicher kann man wohl seinen Vitamin B-und Mineralstoffbedarf nicht decken. Und preiswert dazu.

#8 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Windsurfer 24.08.2017 17:49

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Zitat von Julie im Beitrag #5
@Windsurfer
was ist gemeint mit 'Multivitamin'..ein Vitamin B Komplex? ....

Liebe Grüße von Julie


vermutlich, die typische fehlende Präzision bei Laienmedien.
In 2/D von Life Ext. sind ja u.a. auch alle B-Vitamine enthalten, deshalb erspare ich mir ein spezielles "Vitamin B Komplex" Präparat. Nach meinem Empfinden haben 2/D aber zu wenig B12 und Folsäure.

#9 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Prometheus 25.08.2017 09:34

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"We will argue that nobody ever systematically checked that pellagra was eliminated globally (dietary supplementation mainly happened in rich countries). Pellagra may be common and misdiagnosed masquerading as ‘environmental enteropathy’, poor cognition, eczema, or general ill health and a lack of well-being or poor homeostasis when under environmental stress with shortened lives.38,39

We also argue that environmental insults from trauma, hypoxia, toxins, stress, or mutations (such as in mitochondrial or DNA-repair genes) may require either lifetime or temporary higher doses than normally recommended (15 mg/d).

Controversially, we suggest that many people in rich countries may be on too high a dose. A hyper-vitaminosis B3 state may be common and, like pellagra, have a wide phenotype that includes the metabolic syndrome, several cancers, and some degenerative or neuro-behavioural disorders.40"

Meat Intake and the Dose of Vitamin B3 – Nicotinamide: Cause of the Causes of Disease Transitions, Health Divides, and Health Futures?
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5419340/

#10 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von scooter44 06.09.2017 11:35

Zitat
Ein Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln scheidet aus, selbst hoch dosierte Vitamin-B12-Präparate würden die Serumwerte kaum beeinflussen, allenfalls Injektionen verordnungspflichtiger Präparate könnten die Werte nennenswert erhöhen, aber Patienten mit B12-Therapie waren ja ausgeschlossen worden.



https://www.aerztezeitung.de/medizin/kra...b12-werten.html


Ich habe gerade mit der Substitution von sublingualem Vitamin B-12 angefangen, da mein HCY-Wert trotz ausreichender Dosierung von Folsäure und B-Vitaminen immer noch bei 13,4 liegt. Referenzwert ist hier <12.0. Nach der ersten Einnahme von sublingualem B-12 fühlte ich mich auch wacher. Die meisten B-Komplexe sind mit Vitamin B-12 meiner Meinung nach etwas unterdosiert.

#11 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von marmor 06.09.2017 16:49

Also wenn ich mich mit Vitamin B Komplex einnahme besser fühlen würde, würde ich keinen Grund sehen die nicht mehr zu nehmen. Damit ich mich dann wieder schlechter fühle?

Ich weiß zwar nicht ob es dazu eine Studie gibt, aber auch schlechter fühlen erhöht vermutlich das Krebs Risiko, denn Krebs kann vermutlich durchaus auch Psychisch bedingt sein.

Hier wird die Studie "zerlegt":

https://www.youtube.com/watch?v=TJOlvdM-hwE

Laut dem Video waren 92% der Lungenkrebskranken Raucher. Daher Rauchen ist die Ursache für Lungenkrebs. Von den anderen 8% ist nicht bekannt ob sie Mitraucher waren, nahe von Abgasen gearbeitet haben, zum Beispiel Straßenarbeiter. Vitaminstatus wurde in der Studie nie gemessen. Ich selbst sehe bei den Zahlen keinen wirklichen Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Vitaminen.

#12 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Timar 07.11.2017 21:12

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Ich habe einige grundlegende Vorbehalte gegenüber der besagten Studie[1]:

1. Wenn eine einzelne Studie zu solch reißerischen Schlagzeilen in den Medien führt, gibt das schon einmal Grund zu einer gewissen Skepsis. Offenbar wurde die entsprechende Studie von den Autoren bzw. dem Institut/Universtät entsprechend "vermarktet" um eine solch massive Verbreitung zu erfahren (in diesem Fall über eine entsprechende Pressemitteilung[2]). Da stellt sich zwangsläufig die Frage: war diese Form der medialen Vermarktung bereits während der Arbeit an der Studie intendiert und hat sich diese Intention auf das Ergebniss ausgewirkt? Wissenschaftsverlage verlangen heute zu Recht von den Autoren, finanzielle Interessenkonflikte offenzulegen, da bekannt ist, dass diese sich Studienergebnisse auswirken können. Was dabei oft vergessen wird, ist dass auch die immerwährende Jagd nach Forschungsgeldern oder aber ganz einfach ein gesteigertes Geltungsbedürfnis - sei es unter Kollegen oder gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit - mindestens ebenso starke Anreize darstellen können, die Objektivität einer Studie zu verfälschen.

2. In diesem Zusammenhang ist Theodore Brasky, der Hauptautor der Studie, Brasky wahrlich kein Unbekannter. Vor Jahren hat er schon einmal einen ebenso großen "Mediencoup" gelandet, mit einer Studie due eine höhere Konzentration von EPA/DHA in den Erythrozyten mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs in Verbindung brachte.[3] Das Problem: obwohl der Zusammenhang statistisch signifikant war, ist er biologisch reichlich unplausibel, da es sich nur um marginal höhere (und nach allgemeiner Auffassung immer noch unzureichende!) Blutspiegel bei britischen Männern handelte, die weit unter den mittleren Blutspiegeln in Ländern lagen, in denen regelmäßig Fisch gegessen wird - und die dabei eine weit niedrigere Prostatakrebsinzidenz haben. Führende Experten haben die Studie dann auch entsprechend harsch kritisiert und den Zusammenhang als bloßes statistisches Artefakt gewertet.[4]

3. Was bedeutet aber "statistisches Artefakt", wenn es doch einen signifikanten Zusammenhang gibt? Zunächst einmal dürfte den Lesern dieses Forums ja bekannt sein, dass ein epidemiologischer Zusammenhang noch keine Kausalität beweist. Bezogen auf die aktuelle Studie, wäre es z.B. denkbar, dass starke Raucher, die bereits mit den negativen Auswirkungen des Rauchens auf ihre Gesundheit zu kämpfen hatten, eben aus diesem Grund Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin B12 eingenommen haben: Das wäre ein Fall von umgekehrter Kausalität, der sich bei Beobachtungsstudien prinzipiell nur schwer ausschließen lässt. Die wahrscheinlichere Bedeutung ist in diesem Fall ist aber: bloßer Zufall. Wie den meisten Lesern dieses Forums ebenfalls bekannt sein dürfte, liegt das wissenschaftliche Signifikanzkriterium bei einer Wahrscheinlichkeit von 95%, dass ein Zusammenhang nicht zufällig ist. Dieses gilt aber immer für einen einzelnen Zusammenhang. Je mehr Zusammenhänge man betrachtet, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich rein zufällig ein "signifikanter" Zusammenhang darunter findet. Brasky hat hier die Zusammenhänge zwischen mehreren Subgruppen (Raucher, Nichtraucher, Männer, Frauen) und einer vielzahl an klinischer Endpunkte (von denen vermutlich die meisten unpubliziert bleiben) betrachtet, bei denen, wenn man sie miteinander multipliziert, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein "Zufallstreffer" herausspringt.

Gegen ein solches Artefakt spricht aber sowohl die beobachtete Effektstärke bei Rauchern - immerhin eine Vervierfachung(!) des Lungenkrebsrisikos - als auch der Zusammenhang mit der Dauer der Supplementierung. Um die Ergebnisse besser einschätzen zu können, muss man sie daher unbedingt im Kontext der bestehenden Forschung auf diesem Gebiet sehen. Gibt es überhaupt biologisch plausible Mechanismen, durch die B-Vitamine zu einer Erhöhung des Krebsrisikos führen können? Und gibt es andere epidemiologische Studien, die einen Zusammenhang zeigen, oder noch besser: langfristige Interventionsstudien mit B-Vitaminen, die eben nicht nur einen bloßen Zusammenhang, sondern tatsächlich eine Kausalität aufzeigen können?

Dazu mehr in meinem nächsten Beitrag

1. http://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.2017.72.7735
2. https://www.eurekalert.org/pub_releases/...m-scl081717.php
3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3735464/
4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3828934/

#13 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Prometheus 02.02.2018 10:42

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@Timar

Zitat
Gibt es überhaupt biologisch plausible Mechanismen, durch die B-Vitamine zu einer Erhöhung des Krebsrisikos führen können? Und gibt es andere epidemiologische Studien, die einen Zusammenhang zeigen, oder noch besser: langfristige Interventionsstudien mit B-Vitaminen, die eben nicht nur einen bloßen Zusammenhang, sondern tatsächlich eine Kausalität aufzeigen können?




Ich möchte hier mal mit ein paar - möglicherweise unerfreulichen - Daten in die Diskussion einsteigen.
Eine Dauersupplementierung von 0.5 mg B9, 50 mg B6, and 0.5 mg B12 hatte in dieser Studie einen deutlichen Effekt auf die Altersuhr - sie tickt unter Supplementierung schneller:

Effect of adding B-vitamins to vitamin D and calcium supplementation on CpG methylation of epigenetic aging markers
https://www.sciencedirect.com/science/ar...939475317303204

OK, der gemessene Effekt ist nicht allzu groß. Aber da B-Vitamine Kofaktoren für die Methylierung von DNA sind, ist der Effekt zumindest biochemisch plausibel.
Wenn die Alterung mit B-Vitaminen ungebremst abläuft, können prinzipiell auch Krebserkrankungen 1-2 Jahre früher auftreten als bei gebremster Alterung, das könnte bereits einen Teil der in Assoziationsstudien beobachteten Effekte mit erklären.

#14 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Dr.Faust 02.02.2018 11:51

#13 Mir fällt auf, dass im Ca dabei ist. Ca-Suppl. würde ich nicht empfehlen.
Habe ich nie gemacht. Allerdings muss man wohl trotzdem etwas zurückhaltend mit B9, B6
und B12 in Verbindung mit D sein. B6 in der Studie mit 50mg finde ich viel, ich nehme 10mg.

Wenn von Methylierung die Rede ist: ist das nicht unpräzise? Was genau wird methyliert?
Welches Eiweiß/Polypeptid kann dann nicht mehr hergestellt werden? Was bedeutet das
genau für "Alterung"?

Und da ja immer die Rede davon ist, dass das epigenetische Muster wieder zurückgeändert
werden kann, z.B. durch HIIT oder Krafttraining: es muss ja irgendwie signalisiert werden,
dass dieses Gen jetzt gebraucht wird? In der Muskulatur ist es nachgeiesen? Geht es
in anderen Geweben auch (Haut interessiert mich gerade besonders)?

Und zu Vitaminen muss man ja auch sehen, dass gerade die B-Vitamine in sehr vielen
"Verarbeitungsschritten" als Co-Faktoren genraucht werden. Also die hormesische
Dosis finden, und auch mal weglassen.

#15 RE: Vitamin B erhöht Lungenkrebsrisiko bei Männern von Timar 13.03.2018 16:41

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Zitat von Prometheus im Beitrag #13

Eine Dauersupplementierung von 0.5 mg B9, 50 mg B6, and 0.5 mg B12 hatte in dieser Studie einen deutlichen Effekt auf die Altersuhr - sie tickt unter Supplementierung schneller:

Effect of adding B-vitamins to vitamin D and calcium supplementation on CpG methylation of epigenetic aging markers
https://www.sciencedirect.com/science/ar...939475317303204


Das ist zwar ein wenig besorgnisserregend, aber m.E. nicht ausreichend für eine Neubewertung einer Supplementierung mit B-Vitaminen.

1. Ich betrachte die Leukozyten-Telomerlänge inzwischen als eher fragwürdigen Alterungsmarker. Von einigen Grundsätzlichen Bedenken abgesehen (mehr dazu, wenn ich mal eine Rezension zum Buch von Elizabeth Blackburn schreibe), gibt es in der Studienlage einfach zu viele "Ausreißer", z.B. hat diese Studie gezeigt, dass die Telomerlänge stark positiv mit dem Verzehr von rotem Fleisch korreliert, obwohl die Epidemiologie hier eindeutig ein erhöhtes Mortalitätsrisiko aufzeigt.

2. Würde in der o.g. Studie gefundene Assoziation auf einen generellen Pro-Aging Effekt der supplementierten B-Vitamine zurückgehen, müsste der Befund wesentlich weniger spezifisch ausfallen. Es wurde allerdings ein ganz spezifisch erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei männlichen Rauchern festgestellt und in der Studie wird das sogar noch weiter auf bestimmte Lungenkrebstypen eingegrenzt. Für andere Krebsarten gab es hingegen nicht einmal eine Tendenz zu erhöhtem Risiko.

3. Gibt es eine ganze Reihe von RCTs, die B-Vitamin-Supplementierung in Zusammenhang mit Krebsrisiko, CVD oder Gesamtmortalität untersucht haben, von denen nur eine einzige (die Brasky wohl den Anstoß zu seiner Untersuchung gegeben hat) tatsächlich ein leicht erhöhtes Lungenkrebsrisiko, viele andere aber keinen signifikanten Zusammenhang gefunden haben (weder eine eine sehr große britische Studie in der langfristig hohe Dosen an Folsäure und B12 verabreicht wurden, weder eine US-amerikanische, in der zusätzlich ebenfalls hochdosiertes B6 verabreicht wurde). Eine große, methodisch hochwertige Meta-Analyse von 2016 kommt zu folgendem Ergebnis:

Effect of vitamin B supplementation on cancer incidence, death due to cancer, and total mortality: A PRISMA-compliant cumulative meta-analysis of randomized controlled trials.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4979769/

Zitat
CONCLUSION:
Vitamin B supplementation does not have an effect on cancer incidence, death due to cancer, or total mortality. It is associated with a lower risk of skin melanoma, but has no effect on other cancers.


4. Ich habe mittlerweile eine eigene Hypothese entwickelt, um die Beobachtung von Brasky und ggf. auch das Ergebnis der Norwegischen Studie zu erklären. Kurz umrissen (und daher vorerst ohne Quellenangaben, die ich aber bei Interesse gerne nachreichen kann): Supplementierung mit B12 erfolgt, bzw erfolgte bis vor wenigen Jahren sowohl in klinischen Studien als auch bei Selbsteinnahme ganz überwiegend in der Form von Cyanocobalamin. Diese synthetische Form von Vitamin B12 ist bei nicht supplementierenden Personen nicht im Blut nachweisbar - mit Ausnahme von Rauchern, die mit dem Tabakrauch ihrem Lungengewebe erhebliche mengen an Cyanid (Blausäure) zuführen. Nun wird z.B. Hydroxycobalamin als Antidot bei einer Cyanidvergiftung verabreicht, da physiologische Formen von Cobalamin eine extrem hohe Affinität zu Cyanid aufweisen (deswegen ist Cyanocobalamin auch die stabilste und am billigsten herstellbare Form) und es so gebunden seine fatale Hemmwirkung auf die mitochondriale Atmungskette verliert. Der Körper verfügt zwar über andere, physiologisch bedeutendere Entgifungswege für Cyanid (enzymatische Umwandlung in Thiocyanat, das bei Rauchern ebenfalls stark erhöht ist), aber dieser Entgiftungsweg ist interessanter Weise Glutathion-abhängig und dürfte bei chronisch stark erhöhtem oxidativen Stress und dem dadurch bedingten Glutathionmangel - wie etwa im Lungengewebe von Rauchern - nur unzulänglich funktionieren.

Supplementiert man nun sehr hohe Dosen an Cyanocobalamin, könnte sich dadurch das normale physiologische Gleichgewicht der Cobalamine stark zugunsten des Cyanocobalamins verschieben und dadurch (analog zum Effekt von alpha-Tocopherol-Supplementierung auf den Blutspiegel von anderen Tocopherolen) absolut gesehen weniger Caynid-affines Cobalamin vorhanden sein und die Lunge damit einen möglicherweise wichtigen Stoffwechselweg zur Cyanid-Entgiftung einbüßen.

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