Zumindest ein Update rund um David Sinclair. Er stellt in absehbarer Zeit eigene Studienergebnisse am Menschen in Aussicht, die sich (mal wieder?) zu schön anhören, um wahr zu sein.
Ich empfand den gesamten Podcast jedenfalls wieder sehr spannend, bin allerdings auch grundsätzlich gerne anfällig für hoffnungsvolle, optimistische Beiträge.
Kernthesen zu Alterung & Epigenetik Alterung ist für Sinclair eine „Identitätskrise“ der Zellen: Die DNA bleibt weitgehend intakt, aber das epigenetische Programm (welche Gene an/aus sind) wird durch Stress und DNA‑Brüche zunehmend fehlerhaft, sodass Zellen ihre Funktion schlechter erfüllen. Er nennt das die „Information Theory of Aging“: Die Software (Epigenom) wird durch wiederholte Schäden (z.B. Röntgen, Rauchen, Überernährung, Umweltstress) „verkratzt“, obwohl die Hardware (Genom) noch da ist. In Tiermodellen erzeugt sein Labor gezielt ungefährliche Chromosomenbrüche („ICE‑Mäuse“). Diese Tiere altern deutlich schneller und zeigen typische Altersmerkmale – für ihn ein experimenteller Beleg, dass epigenetischer Informationsverlust Alterung antreibt.
Reprogrammierung & klinische Studien In Mäusen und Affen nutzt sein Team drei Reprogrammierungs‑Gene (Yamanaka‑Faktoren‑ähnlich, aber abgeschwächt), die per viraler Vektoren in Gewebe gebracht und mit Doxycyclin zeitlich gesteuert werden; nach 6–8 Wochen erscheinen Zellen in Tests um ca. 75 % verjüngt, ohne in den embryonalen Zustand zurückzufallen. In Mäusen wurden so u.a. Sehnerven, Gehirn, Haut, Hörzellen sowie Krankheitsmodelle wie Multiple Sklerose und ALS funktionell verjüngt; eine unabhängige Arbeitsgruppe zeigte in sehr alten Mäusen eine etwa Verdopplung der Restlebenszeit nach systemischer Gabe dieser Gene. 2026 startet eine erste Humanstudie: Ein gentechnischer AAV‑Vektor wird in die Augen von Patienten mit bestimmten Blindheitsformen injiziert; anschließend werden die Reprogrammierungs‑Gene zeitlich begrenzt aktiviert. Wenn das Sehvermögen messbar zurückkehrt, sieht Sinclair darin den Einstieg in klinische Altersumkehr.
Krankheiten als Folge von Alterung Sinclair argumentiert, dass viele heute getrennt behandelte Krankheiten (Alzheimer, Krebs, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Unfruchtbarkeit) primär Folge der Alterung sind; verjüngt man das Gewebe, verschwinden in Mausmodellen sowohl Alzheimer‑ähnliche Symptome als auch bestimmte Krebserkrankungen. Er beschreibt Krebs selbst als „Identitätskrise“: Durch Reprogrammierung oder chemische „Verjüngungsdrinks“ werden Krebszellen in manchen Modellen wieder in Richtung Normalzustand gedrückt oder lösen Apoptose aus. Auch weibliche Infertilität sieht er als altersbedingt modulierbar: In alten Mäusen (entspricht ca. 65–70 Jahren beim Menschen) konnten Eierstöcke pharmakologisch so verjüngt werden, dass wieder gesunde Nachkommen entstehen.
Lebensstil, Hormesis & Fasten Laut ihm bestimmen Epigenom und Lebensstil 80–90 % der Alterungsgeschwindigkeit; genetische Veranlagung sei weit weniger deterministisch, wie Zwillingsstudien zeigen. Negative Einflüdse: Rauchen, regelmäßige Röntgen/CT‑Untersuchungen, viel Fliegen (kosmische Strahlung), Ultra‑Processed Food, Alkohol über ca. ein Glas/Tag, Übergewicht, Bewegungsmangel, chronischer Stress und Einsamkeit. Positive „Hormesis“-Reize (dosierter Stress) aktivieren Schutzprogramme (Sirtuine, AMPK, Autophagie): Intervallfasten (z.B. 14–16 h täglich, gelegentlich 3‑Tage‑Fasten für tiefe Autophagie) erhöht NAD, unterstützt Autophagie und verbessert metabolische Marker. Regelmäßige Bewegung mit Atemnotphasen (mind. 5 min, 3×/Woche) sowie Krafttraining für Muskelerhalt/Testosteron; Telomerlänge lässt sich in Studien mit Ausdauertraining verjüngt messen. Hitze (Sauna) korreliert in finnischen Kohorten mit geringerer kardiovaskulärer Mortalität; als Mechanismus vermutet er Hitzeschockproteine und Stressantwortwege. Kälte (Eisbäder) hat weniger harte Daten, wird aber von ihm wegen subjektiver Klarheit und einiger Hinweise auf Muskel‑/Entzündungsbenefits genutzt.
Ernährung & Keto, Pflanzenstoffe Dauerhafte ketogene Ernährung hält er für gewichtsreduzierend, aber nicht eindeutig lebensverlängernd; langfristig bevorzugt er eine überwiegend pflanzenbasierte, wenig verarbeitete Kost mit viel Gemüse und pflanzlichen Polyphenolen. Begründung: Pflanzen bilden unter Stress Polyphenole (Resveratrol, Quercetin, Anthocyane, Sulforaphan etc.), die Sirtuine und andere Langlebigkeitspfade aktivieren; er spricht von „Xenohormesis“ bzw. populär „eat the rainbow“. Beispiele: Matcha (schattierter grüner Tee mit hohem Polyphenolgehalt), Beeren, Kreuzblütler (Brokkoli, Rosenkohl mit Sulforaphan), Nüsse (inkl. Selen aus Paranüssen), hochwertiges Olivenöl (Omega‑9, Polyphenole), Avocado (gute Fette, Sättigung). Alkohol (auch Rotwein) bewertet er inzwischen klar negativ für Hirnvolumen und Gesundheit; Polyphenole aus Wein ersetzt er durch alkoholfreie Quellen oder Extrakte.
Supplemente & Medikamente (sein Stack) Er betont, dass vieles experimentell ist und nicht allgemein empfohlen werden soll, nennt als persönliche Routine u.a.:
-NAD‑Vorstufen wie NMN oder NR (ca. 1 g/Tag), die NAD spiegel erhöhen und Sirtuine antreiben; bei Menschen sieht er Hinweise auf bessere Stoffwechselwerte und Entzündungssenkung. -Resveratrol als Sirtuin‑Aktivator, meist zusammen mit Fett (z.B. Olivenöl) zur besseren Aufnahme. -Metformin oder pflanzliche Alternative Berberin zur AMPK‑Aktivierung; er bevorzugt „Pulsing“ (nicht täglich oder nicht vor Training), um mögliche Leistungsnachteile im Kraftsport zu minimieren. -Spermidin (meist aus pflanzlichen Quellen), das in diversen Organismen Lebensdauer verlängert und Autophagie fördert. -Glycin (mehrere Gramm täglich) zur Modulation des Ein‑Kohlenstoff‑Stoffwechsels und der DNA‑Methylierung; in Tiermodellen lebensverlängernd, Mechanismus noch nicht endgültig geklärt. -Vitamin D mit K2 (Knochen, Gefäße) und ggf. weitere Basisnährstoffe, um Defizite zu vermeiden. -Seit seinem 30. Lebensjahr nimmt er Statine zur LDL‑Senkung, obwohl er damals noch keine manifeste Herzkrankheit hatte; Ziel ist langfristige Prävention, besonders bei familiärer Hypercholesterinämie. -Aufgrund hoher Lp(a)‑Werte nutzt er hochdosiertes Niacin (Vitamin B3) und Baby‑Aspirin, um Thrombose‑ und Herzrisiko zu senken; er betont, dass Lp(a) individuell gemessen und das Nutzen‑Risiko‑Verhältnis ärztlich geklärt werden sollte, da Aspirin Blutungsrisiken hat.
Haar, Haut & Äußeres Altern Für Haarerhalt setzt er u.a. auf:
-Rotlicht‑Kappen (bestimmte Wellenlängen), die Mitochondrien stimulieren und in Studien Haarausfall verlangsamen. -Blockade von DHT (testosteronabhängigem Androgen) mit hormonmimetischen Substanzen, bevor sichtbarer Haarverlust einsetzt. -Hautverjüngung hält er im Vergleich zur Augen‑ oder Systemtherapie für technisch einfacher; in Maus‑ und Humanhautmodellen zeigt sein Labor bereits deutliche Rejuvenation.
Gesellschaftliche & ethische Folgen Sinclair erwartet in den nächsten Jahrzehnten einen massiven Wandel: Wenn man biologisch jünger bleiben oder wieder jünger werden kann, verändern sich Rentensysteme, Arbeitsbiografien, Familienplanung (späte Kinderwünsche) und Gesundheitsausgaben grundlegend. Ökonomisch sei radikale Gesundalterung positiv: Die teuersten Lebensjahre sind derzeit die letzten Jahre mit chronischen Krankheiten; verschiebt man Krankheit nach hinten oder verhindert sie, entsteht großer volkswirtschaftlicher Nutzen. Gleichzeitig sehen Regierungen auch sicherheitspolitische Dimensionen, etwa „Supersoldaten“ oder technologische Vorteile; er erwähnt, dass eine große Auslandsinvestition in seine Firma in den USA aus Sicherheitsgründen blockiert wurde.
Zukunftsprognosen & Philosophie Er hält es für wahrscheinlich, dass heutige junge Menschen 10–20 Jahre länger leben als ihre Eltern und – sofern sie „alles richtig machen“ – durchaus ins 22. Jahrhundert reichen könnten. Eine echte „Unsterblichkeit“ in den nächsten 50 Jahren sieht er skeptisch, aber wiederholte Age‑Reset‑Zyklen (z.B. Auge bei Mäusen mehrfach) seien technisch prinzipiell möglich; er erwartet eher radikal verlängerte Gesundheitsspannen als endloses Leben. Sinnverlust durch langes Leben lehnt er ab: Bedeutung entstehe aus gelebten Momenten, Beziehungen und Projekten; mehr Lebenszeit ermögliche mehr Karrieren, Beziehungen und Beiträge, ohne die Wertigkeit des einzelnen Tages zu mindern. Kosmologisch hält er Bewusstsein für das „wichtigste Produkt“ des Universums, spekuliert über Simulation, Quanteneffekte und unterschiedliche Stufen von Bewusstsein bis hin zu künftiger KI, die seiner Ansicht nach wohl bewusst und hochentwickelt sein wird.
Zitat "The Big Three (Daily; Morning) NMN (Nicotinamide Mononucleotide): 1g daily. NMN is a precursor to NAD+, the coenzyme critical for DNA repair and cellular energy. NAD+ levels decline dramatically as we age. David has been taking this for over a decade. Resveratrol: 1g daily, always mixed with olive oil, yogurt, or another small fat or protein source for absorption. As Sinclair explains: if you just take resveratrol as a pill without fat, it mostly passes straight through you. This is the sirtuin activator: think of it as the accelerator pedal for your longevity genes. His lab has new data linking sirtuins directly to epigenetic reprogramming, and they’re about to submit a paper for Nature. Metformin (or Berberine): He cycles between metformin (a prescription diabetes drug, taken at 1g/day) and berberine (a natural alternative that activates the same AMPK longevity pathway). Both lower blood glucose, which is critical. We’ve found at Fountain Life that hemoglobin A1C is the #1 correlate to heart disease, more than HDL, LDL, or Lp(a). David recommends not taking metformin in the hours before a workout, or skipping it that day, because it can interfere with the body’s ability to make energy through mitochondria, reducing workout intensity and muscle gains. The Extended Stack Nattokinase: 10,000 units daily. David added this in the last couple of years. In his own words, it’s the only compound very clearly shown in large clinical trials of 1,000+ people to actually reverse arterial plaque. Important: it requires about a year of consistent use. Sinclair notes that 6,000 units in clinical trials didn’t work; the dose that worked was 10,000. His father, now 86, takes it too. Spermidine: Stimulates autophagy (your body’s cellular recycling system) and may also delay epigenetic information loss. Sinclair notes it extends lifespan in every animal model studied, from worms to mice, and is considered very safe. Vitamin D3/K2: A daily dosage of a combined formulation of D3 and K2. Vitamin D3: Supports immune function, bone strength, reduces inflammation, while Vitamin K2 directs calcium to bones, prevents arterial calcification. Low-dose Aspirin: A baby aspirin most days. Sinclair takes this because of his personal high cardiovascular risk: he carries elevated LDL and elevated Lp(a) genetically. He notes that medical associations have walked back the general aspirin recommendation for average-risk individuals due to bleeding concerns, but for high-risk individuals he believes the benefit still outweighs the risk. Glycine: ~5g daily, an amino acid Sinclair believes helps regulate DNA methylation (the epigenetic “labels” that tell cells what type they are), potentially slowing the cellular identity loss that drives aging. Sinclair notes it extends lifespan in animal models and is considered very safe with no meaningful downside. Niacin (Vitamin B3): ~500mg daily (high dose). Sinclair takes this specifically to lower his elevated Lp(a): a cardiovascular risk factor he carries genetically. He builds up the dose gradually; it can cause temporary flushing/tingling, which taking it alongside an aspirin can help reduce. He notes it is one of the very few things known to bring Lp(a) down while better drugs are still in development. Lifestyle Protocols Diet: David eats mostly a plant-based diet. He credits his partner for getting him off the nightly cheese-and-wine habit. He emphasizes “stressed plants” (dark leafy greens, broccolini, deeply colored vegetables) based on the xenohormesis hypothesis he co-published. The idea: stressed plants produce more polyphenols, which signal our bodies to activate longevity defenses. So, what’s his favorite? Broccolini: very lightly steamed, with olive oil. Alcohol: Eliminated. Even one glass daily correlates with a smaller brain size. David says he may occasionally celebrate a few times a year. Fasting: Practices intermittent fasting daily: typically skipping breakfast and eating in a compressed window, aiming for at least 14 - 16 hours of fasting most days. He also does an extended 3-day fast roughly once a month to trigger chaperone-mediated autophagy: a deeper level of cellular protein recycling that doesn’t kick in during shorter fasts. His reasoning: the body begins turning over old, damaged proteins preferentially after about 2.5–3 days without food. Coffee/Tea: David drinks both throughout the day, given that the current science is strongly favorable. Environment: HEPA filtration in every room. Eliminated plastics and Teflon. Filtered water. Fresh air circulation. Mindset & Meditation: Sinclair is now a convert. After years of his partner encouraging him, a recent study showed that neural signaling from the brain directly increases immune cells in the gut. His lab is now studying this: rejuvenating sensory nerves to produce systemic health effects. Imaging, Wearables & Genomics: David believes in proper diagnostic testing. He recommends full genome sequencing for actionable insights. Wearables for continuous monitoring. Carotid ultrasound (not CT, to avoid radiation) to track arterial plaque. He echoes my thoughts, to understand what’s going on inside your body, so you can “make sure that you’re not going to die from something stupid like a stroke or a heart attack.”"
Was mich allerdings stutzig macht wo ist die Kombi Quercetin + Fisetin zum Beispiel geblieben die er lange Zeit täglich nahm. Flush Niacin hätte ich jetzt auch nicht unbedingt erwartet als quasi Neuzugang.
ich erkenne in diesem Regime insgesamt einen klaren Schwerpunkt auf kardiovaskuläre Prävention. Niacin high dose macht er ja vermutlich nur wegen seinen erhöhten Lp(a), zumindest steht das als Grund in deinem Zitat so drin (Quelle?) NMN ist das potentere NEM hinsichtlich der zellulären NAD+ Synthese. Wenn man NMN bereits nimmt, kann man sich eigentlich das zusätzliche Niacin-Präparat meist sparen und lieber gezielt mit Apigenin als NADase-Hemmer kombinieren (meine Meinung).
Ich frage mich, ob er wirklich komplett auf eine Hormon-Substitution (z.B. DHEA, Melatonin, etc) verzichtet? Ignoriert er den Thymus?
Zitat von Prometheus im Beitrag #7 Ich frage mich, ob er wirklich komplett auf eine Hormon-Substitution (z.B. DHEA, Melatonin, etc) verzichtet? Ignoriert er den Thymus?
DHEA sieht man aber so gut wie nie in den ganzen Regimes. Melatonin auch eher selten wie bei Brad Stanfield oder Siim Land zum Beispiel.
"I take low-dose daily tadalafil for long-term organ health, especially the brain. Vascular dementia is the second most common and most preventable cause of dementia"
Aktueller Post von David Sinclair bei X. Wusste noch nicht, dass er das nimmt.