#1 | Das Schulsystem02.08.2020 06:22 (zuletzt bearbeitet: 02.08.2020 06:23)
lupor
(
gelöscht
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Ich vertrete die Meinung, dass das Schulsystem nicht nur ineffizient, sondern auch einem langen Leben abträglich ist.
Ein großer Teil der Fächer ist m. E. für das Leben des Durchschnittsbürgers relativ bedeutungslos, darunter:
Deutsch nach ca. der neunten Klasse: Man analysiert nur noch Bücher und Gedichte, die Bewertungen der Lehrer sind oft willkürlich oder von Sympathien geprägt. Die Fähigkeit der deutschen Sprache wird kaum mehr verbessert.
Kunst
Musik
Religion
Geschichte
Sinnvoll sind hingegen:
Englisch
Mathe: Notwendige Grundlage für Naturwissenschaften
Physik, Chemie, Biologie: Notwendig für das naturwissenschaftliche Verständnis unserer Welt und viele Berufe
Erdkunde: Befasst sich mit relevanten Themen und Problemen unserer Zeit
Latein: Könnte man reduzieren, hilft aber bei vielen Fachtermini
Sport: Erklärt sich von selbst; sollte aber zwangloser gestaltet werden (z. B. Joggen oder Kraftsport anstelle von Mannschaftssport-Zwang anbieten)
Was komplett fehlt:
Medizin: Man sollte über den Aufbau des Körpers, seine Organe, häufige Krankheiten, Medikamente und gängige Behandlungen unterrichtet werden! Es ist völlig unverständlich und der eigenen Gesundheit gegenüber unverantwortlich, dass man als Abiturient nicht zumindest die Grundlagen eines Heilpraktikerwissens vermittelt bekommen hat. Das Fach könnte von Biologen unterrichtet werden.
Job und Alltag: Wie funktioniert der berufliche Alltag? Welche Steuern sind zu bezahlen? Wie kann man sich selbstständig machen?
Uni und Lernen (für Abiturienten): Wie funktionieren Studiengänge? Wie kann ich effizient lernen?
Lebensmittelkunde: Welches Essen ist gesund? Wie kann ich mir gesundes Essen zubereiten?
Am schlimmsten sind aber nicht mal die fehlenden oder weniger relevanten Fächer, sondern die nicht selten miserable Effizienz des Unterrichts bei den sinnvollen. Der Staat hätte hier schon vor zwanzig Jahren auf digitalen Unterricht setzen können. Dazu mein Vorschlag: 2-3 minütige, leicht verständliche Lehrvideos, gefolgt von ein paar Verständnisfragen. Wer nicht weiter weiß, fragt den Lehrer. Da aber alles Wissen sofort als Video abrufbar und dank der Fragen prüfbar ist, muss man sich nicht mehr auf die oft unverständlichen Erklärungen des Lehrers oder seine Arbeitsblätter verlassen. Da das System bundes- oder zumindest landesweit einheitlich ist, kann man sich online mit anderen Schülern austauschen. Der Lernfortschritt wird online getrackt und individuelle Schwachpunkte können automatisch erkannt und mit manuellem Fleiß behoben werden. Da überlange, unverständliche Erklärungen und das Schreiben an der Tafel entfallen, kann ein Drittel der Schulzeit eingespart werden. Deutsch würde ich nach der 9. oder 10. Klasse in Literatur umbenennen und gemeinsam mit Kunst, Musik, Religion und Geschichte zu einem (ab)wählbaren AG-Fach machen. Darüber hinaus sollte jeder Schüler sein Hobby zu einem AG-Fach machen können, damit die Kreativität gefördert wird. Ferner sollte es eine Früh- und eine Spätschicht geben, damit biologische Nachteulen zum Spätunterricht gehen können, um ihre volle geistige Leistungsfähigkeit nutzen zu können. Durch die gesteigerte Effizienz der beschriebenen Maßnahmen sollte ein Abtur nach zehn Schuljahren (ohne Ganztagsunterricht) möglich sein.
Wie sehr ihr das? Ihr könnt gerne auch eigene Vorschläge posten.
- “Confusion” (Verwirrung). Alles was gelehrt wird ist ohne Kontext: Der Orbit der Planeten, die Gesetze der Zahlen, Geschichte der Sklaverei, Adjektive, architekturelles Zeichnen, Tanzen, Gymnastik, Programmiersprachen, etc. pp. Anschließend Tests die standardisiert ‘Wissen’ abfragen und alle 45 Minuten ein Kontextbruch – ein komplett anderes Fach. Was vermittelt wird sind fakten, aber oft ohne Sinn und Zusammenhang, ohne Rücksicht auf Interesse, Neigung, Alter und Situation des Schülers, etc. pp. - “Class position” (Klassenposition). Gatto schreibt u.a.: Die Lektion der Klassen ist das jeder seinen richtigen Platz in dem Pyramidensystem der Schule hat und das es daraus keinen Ausweg gibt. - “Indifference” (Gleichgültigkeit). Kindern wird beigebracht gleichgültig zu sein, denn egal was in der Schulstunde unterrichtet wurde – wenn die Glocke läutet wird damit aufgehört, auch das wichtigste in der Welt wird im nächsten Moment unwichtig. Gatte schreibt das “Glocken die geheime Logik der Schulzeit” sind.
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Mehr im Artikel...
Wer sich z.B. mit der PISA-Studie der OECD beschäftigt wird irgendwann auch über folgende Textstelle stolpern, die es 1961 in unmissverständlicher Offenheit formuliert (Quelle: Zur Aktualität der Kritischen Theorie für die Pädagogik, Seite 75):
Zitat“Heute versteht es sich von selbst, dass auch das Erziehungswesen in den Komplex der Wirtschaft gehört, dass es genauso notwendig ist, Menschen für die Wirtschaft vorzubereiten wie Sachgüter und Maschinen. Das Erziehungswesen steht nun gleichwertig neben Autobahnen, Stahlwerken und Kunstdüngerfabriken.”
"Lang Leben" gehört sicher nicht zu den Zielen der Schaffer des Schulsystems....
- “Confusion” (Verwirrung). Alles was gelehrt wird ist ohne Kontext: Der Orbit der Planeten, die Gesetze der Zahlen, Geschichte der Sklaverei, Adjektive, architekturelles Zeichnen, Tanzen, Gymnastik, Programmiersprachen, etc. pp. Anschließend Tests die standardisiert ‘Wissen’ abfragen und alle 45 Minuten ein Kontextbruch – ein komplett anderes Fach. Was vermittelt wird sind fakten, aber oft ohne Sinn und Zusammenhang, ohne Rücksicht auf Interesse, Neigung, Alter und Situation des Schülers, etc. pp. - “Class position” (Klassenposition). Gatto schreibt u.a.: Die Lektion der Klassen ist das jeder seinen richtigen Platz in dem Pyramidensystem der Schule hat und das es daraus keinen Ausweg gibt. - “Indifference” (Gleichgültigkeit). Kindern wird beigebracht gleichgültig zu sein, denn egal was in der Schulstunde unterrichtet wurde – wenn die Glocke läutet wird damit aufgehört, auch das wichtigste in der Welt wird im nächsten Moment unwichtig. Gatte schreibt das “Glocken die geheime Logik der Schulzeit” sind.
Den fehlenden Kontext habe ich auch oft so wahrgenommen. Die Schuld dafür dürfte aber beim jeweiligen Lehrer oder vielleicht auch beim Lehrerwechsel (der gar nicht so selten erfolgt) liegen. Den 45 oder 90 minütigen "Kontextbruch" fand ich immer sehr gut, da man dann einen anderen "Gehirnbereich" nutzen konnte. Wie viele Schüler würden schon den ganzen lieben langen Tag Mathematik lernen wollen? Die Theorie der Klassenposition halte ich für abwegig. Bei guten Leistungen kannst du auf eine höhere Stufe wechseln. Hierarchie gab es bei uns unter den Schülern im Unterricht kaum. Gleichgültigkeit ergibt sich durch das System und den Zwang, sie wird nicht gelehrt. Ich denke nicht, das sich das ganz vermeiden lässt. Für mich liest sich das wie eine Überdramatisierung und ich denke "Da will jemand wieder Aufmerksamkeit, um etwas zu verkaufen".
Zitat von h.c. im Beitrag #2Wer sich z.B. mit der PISA-Studie der OECD beschäftigt wird irgendwann auch über folgende Textstelle stolpern, die es 1961 in unmissverständlicher Offenheit formuliert (Quelle: Zur Aktualität der Kritischen Theorie für die Pädagogik, Seite 75): [quote]“Heute versteht es sich von selbst, dass auch das Erziehungswesen in den Komplex der Wirtschaft gehört, dass es genauso notwendig ist, Menschen für die Wirtschaft vorzubereiten wie Sachgüter und Maschinen. Das Erziehungswesen steht nun gleichwertig neben Autobahnen, Stahlwerken und Kunstdüngerfabriken.”
Dass der Mensch für die Wirtschaft ausgebildet wird, ist normal und moralisch nicht verwerflich. Schließlich soll er in ihr gut leben können. Die Alternative wäre, vom Staat zu leben. Die Quelle für dein Zitat hast du im Artikel verlinkt, aber ich frage mich, ob diese auch richtig zitiert hat. Das Wording wäre etwas ungeschickt.
Zitat von h.c. im Beitrag #2"Lang Leben" gehört sicher nicht zu den Zielen der Schaffer des Schulsystems....
Doch warum nicht? Aus meiner Sicht liegt es an verschlafenen Reformen. Man kann dem Schulsystem nicht grundsätzlich Bösartigkeit vorwerfen. Ich habe auch vieles gelernt. Nur sehr ineffizient und aus meiner Sicht auch viel unnützes Zeug. Was hat die Wirtschaft für ein Interesse daran, wenn ich im Deutsch-LK alte Bücher interpretiere, im Religionsunterricht die Bibel lese oder im Musikunterricht zwei Tasten auf dem Keyboard drücke? Da greift die Verschwörungstheorie zu kurz. Was ich mir aber vorstellen könnte ist, dass bestimmte Fächer den Sinn haben, Absolventen mit wirtschaftsuntauglichen Fächern einen Job zu verschaffen.
beginnt rhythmisch mindestens 1 Std. zu früh ... (um 8h ist die trägheit am höchsten) ... beachtet keine clevere Ernährung ... ist "sportlich" in-effektiv ... (ich hab's gehasst) ... ein trampolin für sport-muffel, tgl! über- und zu-früh-digitalisiert ... lernen will gelernt sein! ... zu wenig natur- und praxis- bezogen ...
Zitat von mithut im Beitrag #4über- und zu-früh-digitalisiert ...
Genau das Gegenteil ist der Fall! Kennst du https://www.khanacademy.org/ ? Dort habe ich mehr, schneller und besser Mathe gelernt als in der Schule. Man sieht jederzeit seinen Fortschritt und kann Übungen machen. Sowas sollte man auch hier in der Schule nutzen, dann kann man sich das ewige Schreiben sparen. Heute nutzt man PC und Handy, nicht Tintenfüller. Schreiben per Hand sollte man lernen, aber nicht als Standard im Unterricht gebrauchen. Dein Naturvorschlag ist gut, Wandern statt Sportunterricht in nach altem Plastik stinkenden Hallen wäre sicher gesünder.
Zitat von mithut im Beitrag #7nichts spricht gegen die geeigneten Fächer in passender Form zur richtigen Zeit ...
die meisten Kinder lernen zu früh TV ...
Gucken die Kids heute noch TV? PC-Unterricht (nicht Sucht) sollte es ab der ersten Klasse geben, Mathe ab der Vorschule. Außer wir haben Grund zur Annahme, dass sich die technische Entwicklung umkehren wird...
Zitat von lupor im Beitrag #1Ein großer Teil der Fächer ist m. E. für das Leben des Durchschnittsbürgers relativ bedeutungslos, darunter:
Deutsch nach ca. der neunten Klasse: Man analysiert nur noch Bücher und Gedichte, die Bewertungen der Lehrer sind oft willkürlich oder von Sympathien geprägt. Die Fähigkeit der deutschen Sprache wird kaum mehr verbessert.
Kunst
Musik
Religion
Geschichte
Für das Leben eines Durchschnittskonsumenten sind die o.a. Fächer in der Tat leider relativ bedeutungslos. Für das Langleben ist Musik (genauer Musizieren) jedoch durchaus hilfreich, indem es altersbedingten Verlust kognitiver Fähigkeiten in Grenzen vorbeugt. Geschichte kann für das Langleben auch Lehrreich sein, insbesondere wenn man lernt wie Konflikte und Kriege entstehen oder Reiche untergehen. Insbesondere lernt man, dass nichts beständig ist, auch Staaten und Gesellschaftssysteme nicht. Religion - wenn es nicht verstaubter und verknöcherter katholischer Unterricht ist, kann spirituell sein und wenn man Buddhismus und Meditation lernt (ZEN) durchaus dem Langleben zuträglich sein. Die Kunst ist ein Aspekt, der uns von den allermeisten Tieren unterscheidet. Es gehört aus meiner Sicht zum Menschsein. Was ist daran falsch? - Wobei ich zugeben muss, dass ich mit vielen Kunstformen auch nicht viel anfangen kann, aber wer bin ich denn schon?
Ich denke es hängt wie bereits hier angedeutet viel vom Lehrer ab. Ein intelligentes Kind weiß auch aus schlechtem Unterricht einiges Mitzunehmen und den Unterricht zu nehmen wie er kommt.
Des Weiteren kann und soll es nicht Aufgabe der Schule sein, Versäumnisse in der Erziehung und Unterrichtung durch die Eltern zu ersetzen. Ein nutzloses Absitzen von Zeit ist es auch nicht, denn immerhin werden auch soziale Fähigkeiten in der Gruppe trainiert, wenn man eine Schulklasse mit Kindern verschiedenster Coleur zusammensetzt.
Ich glaube die Ansprüche an das Schulsystem und an Lehrer werden von Vielen deutlich zu hoch angesetzt, dafür dass dort auch nur Menschen versuchen den Kindern etwas beizubringen.
Meiner Ansicht nach ist die Schule lediglich ein "Addon" bzw. nur eine Komponente von sehr vielen bei der Erwachsenwerdung und insbesondere nicht die Wichtigste. Mir braucht jetzt keiner mit der Wichtigkeit eines guten Schulabschlusses für des Kindes Zukunft zu kommen, das weiß ich selbst. Ein Kind mit guter Erziehung und hinreichendem Engagement sollte auch einen Abschluss an einer schlechten Schule schaffen.
Da fällt mir ein - gibt es eigentlich eine Übersicht von Nootropika für Kids?
Zitat von bul im Beitrag #10Für das Langleben ist Musik (genauer Musizieren) jedoch durchaus hilfreich, indem es altersbedingten Verlust kognitiver Fähigkeiten in Grenzen vorbeugt. Geschichte kann für das Langleben auch Lehrreich sein, insbesondere wenn man lernt wie Konflikte und Kriege entstehen oder Reiche untergehen. Insbesondere lernt man, dass nichts beständig ist, auch Staaten und Gesellschaftssysteme nicht. Religion - wenn es nicht verstaubter und verknöcherter katholischer Unterricht ist, kann spirituell sein und wenn man Buddhismus und Meditation lernt (ZEN) durchaus dem Langleben zuträglich sein. Die Kunst ist ein Aspekt, der uns von den allermeisten Tieren unterscheidet. Es gehört aus meiner Sicht zum Menschsein. Was ist daran falsch? - Wobei ich zugeben muss, dass ich mit vielen Kunstformen auch nicht viel anfangen kann, aber wer bin ich denn schon?
Die Fächer gäbe es weiterhin, aber als freiwillige AG-Fächer. Warum jemandem Musik beibringen, der es nicht will? Gesundheit ist hingegen ein absolutes Grundbedürfnis eines jeden Menschen! Ich will lieber wissen, ob meine Kopfschmerzen gefährlich oder meine Nahrungsmittel vielleicht krebserregend sein könnten, als in welchem Jahr Napoleon geboren wurde oder wie man ein Keyboard spielt. Es geht mir in erster Linie um die Priorität des Wissens.
Zitat von bul im Beitrag #10Des Weiteren kann und soll es nicht Aufgabe der Schule sein, Versäumnisse in der Erziehung und Unterrichtung durch die Eltern zu ersetzen.
Doch, ich denke das sollte in begrenztem Umfang schon der Anspruch sein. Wenn deine Eltern ungebildet sind und nicht Kochen können, solltest du in der Schule lernen, dass übergewichtig sein ungesund ist und wie man sich etwas gesundes Kochen kann. Das ist doch wichtiger als im Musikunterricht Lieder zu singen, findest du nicht? Hier geht es um die Gesundheit des Kindes und auch Folgekosten für die Gesellschaft, falls das Kind ungesund aufwächst.
Zitat von bul im Beitrag #10Ich glaube die Ansprüche an das Schulsystem und an Lehrer werden von Vielen deutlich zu hoch angesetzt, dafür dass dort auch nur Menschen versuchen den Kindern etwas beizubringen.
Das sehe ich auch nicht so. Lehrer wurden professionell ausgebildet und verdienen meist auch ganz gut. Wenn die Kinder dann den halben Tag in der Schule sind, sollte man sinnvollen Unterricht erwarten dürfen.
Zitat von bul im Beitrag #10Meiner Ansicht nach ist die Schule lediglich ein "Addon" bzw. nur eine Komponente von sehr vielen bei der Erwachsenwerdung und insbesondere nicht die Wichtigste.
Ich widerspreche erneut. Ich habe 13 junge, wertvolle Jahre in der Schule verbracht. Ich bin fast jeden Wochentag früh aufgestanden und der ganze Tag drehte sich dann um die Schule. Diese 13 Jahre sind zum Teil mit die wichtigsten in deinem Leben. Wenn man die ohne große Anstrengung auf 10 reduzieren und dir gleichzeitig weitere Lehrjahre im späteren Leben sparen kann, wo du dich sonst mit Ernährung und Gesundheit beschäftigen musst, warum sollte man das nicht tun?
Zitat von bul im Beitrag #10Da fällt mir ein - gibt es eigentlich eine Übersicht von Nootropika für Kids?
Wofür? Eine gesunde Ernährung sollte für Kinder ausreichen.
Bei der Musik würde ich auch sagen das in fast allen unserer regionalen Gymnasien ein Musikinstrument Pflicht ist. Und ob man in "Hauptschulen" Kinder zwingen kann ein Musikinstrument zu spielen, ist zweifelhaft und meist gibt es auch keine Unterstützung der Eltern.