Nachdem ich mich hier schon kurz mit der Alterung einiger Tiere auseinandergesetzt hatte, wollte ich dem ganzen noch ein eigenes Thema widmen. Wieso? Weil es risikoreich sein dürfte, das Rad beim Reverse Aging neu zu erfinden. Sicherer ist es m. E., sich an bestehenden Lösungen zu orientieren und diese später an den menschlichen Organismus anzupassen. "Was sind denn diese 'bestehenden Lösungen'?", mag sich manch einer hier jetzt fragen. Nun, es gibt tatsächlich Organismen, die eine Art "Unsterblichkeit" oder zumindest umkehrbare Alterung ihr eigen nennen können:
ZitatTurritopsis dohrnii ist eine Hydrozoen-Art aus der Gattung Turritopsis in der Familie der Oceaniidae. Durch Besonderheiten in ihrem Lebenszyklus sind die Individuen dieser Art potentiell biologisch unsterblich. Die Art der „unsterblichen Qualle“ wurde zuvor als Turritopsis nutricula klassifiziert.
ZitatMedusae of Turritopsis dohrnii undergo reverse development in response to physical damage, adverse environmental conditions, or aging. Senescent, weakened or damaged medusae transform into a cluster of poorly differentiated cells (known as the cyst stage), which metamorphose back into a preceding life cycle stage, the polyp. During the metamorphosis, cell transdifferentiation occurs. The cyst represents the intermediate stage between a reverting medusa and a healthy polyp, during which cell transdifferentiation and tissue reorganization take place.
Die Reihenfolge ist - nach meinem Verständnis - also "Medusa" (alt) -> "Cyst" (Zwischenstufe) -> "Polyp" (verjüngt). Das ist wichtig, um den Rest zu verstehen.
Zitat‘DNA integration (GO:0015074)’, was among the top 10 over-expressed categories in the Cyst vs. Polyp and Cyst vs. Polyp + Medusa analyses (Additional File L). Moreover, the Cyst vs. Medusa comparison indicated that there was an enrichment of ‘DNA integration’ in the Cyst (Table 4). The Cyst incorporated 636 transcripts with the DNA integration annotation, while the Polyp and Medusa incorporated a substantially smaller number of sequences in the category, 390 and 364 transcripts, respectively. In addition, the GO categories related to transposition (reference to GO:0032196, GO:0032197) were over-expressed in the Cyst vs. Polyp and Cyst vs. Polyp+Medusa analyses (Table 4). (...) The combination of the over-expression of DNA integration, transposition, and repair categories in the Cyst indicate that regulation of genome integrity may have an important role in T. dohrnii’s reverse development. Active transposons are mutagenic and it has been shown that in Hydra, another Cnidarian taxa with regeneration capabilities, transposon repression and regulation by Piwi pathway occurs both in the I-cells and in the somatic cells (Juliano et al. 2014; Lim et al. 2014). (...) Our results indicate that the regulation of telomere length may be a key component of the overall regulatory network enabling T. dohrnii’s life cycle reversal, and should therefore be the focus of future studies. (...) Conclusion (...) Our results show that categories associated with DNA synthesis, repair processes, telomerase activity and telomere maintenance are over-expressed in the Cyst when compared to the Medusa and the Polyp stages. On the other hand, transcripts associated to specialized functions involving lifespan and aging, response to stimuli, cell division and cell differentiation and development, are under-expressed in the Cyst when compared to the Medusa and the Polyp stages.
Es steht noch deutlich mehr drin und die Profis hier können womöglich mehr daraus ableiten als ich. Trotzdem fand ich es spannend, dass dieser Organismus vieles von dem macht, worum sich auch unsere Diskussionen drehen (DNA-Reperatur, Telomere, Probleme mit Transposonen).
das ist eine spannende Frage und ich hoffe, dass Du eine fundierte Antwort finden kannst! Die großen Tiere werden häufig älter als die kleinen Tiere (langsamer Stoffwechsel?), aber es gibt auch Ausnahmen. So wird die Fledermaus ca. 10 mal älter als andere Mäuse und der Körper produziert wahrscheinlich sehr viele Antioxidantien. Bäume werden besonders alt (z.B. Olivenbaum: über 4000 Jahre alt).
die kleinen Hunde werden älter als die großen. Warum ist es da eigentlich anders, als in der restlichen Tierwelt? Habe zwei Minihunde und die sind schon über 17 und 16 Jahre alt. Kleine Menschen leben statistisch gesehen auch länger als große.
Sowas in der Art habe ich mir auch gedacht, wäre interessant ob beim Menschen nach Gewicht zu vergleichen....Muskeln nicht nur fett.
Außerdem könnten langsam wachsende Arten länger vom Wachstumprozess profitieren, als wenn man ausgewachsen ist und die Zellen kein Ziel mehr haben.
Außerdem fühlen sich fliegende Tiere vielleicht sicherer und haben deswegen wenig Stress? Oder ganz große Tiere haben keine Feinde mehr. Vielleicht gehen auch soziale Verbände Schutz.
Bei der Qualle bin ich draußen, aber wir sind halt Menschen. Da hängt die Lebensspanne auch an Dingen wie man sie verrechnet. Die maximale ist immer gleich. Aber Ü 90 ist alt. Die 80er sind irgendwie wie die 40er....außer bei mir :)
Normalerweise würde man erwarten, dass bei einem lebenden Organismus nach Eintritt der Geschlechtsreife nach und nach der Verfall einsetzt und die Mortalität irgendwann exponentiell zunimmt. Das ist aber tatsächlich bei vielen Spezies GAR NICHT der Fall! Wenn man Spezies-übergreifend schaut, sieht man, dass es durchaus Lebensformen gibt, bei denen die Mortalität mit zunehmenden Alter ABNIMMT oder die gar nicht oder sogar "rückwärts" altern.
Der Prozess der Alterung ist hat aus meiner Sicht oft einen evolutionären Vorteil gehabt, weil er die Gesamtpopulation einer Spezies stabil hält. Spezien, deren Population aus anderen Gründen stabil bleibt, brauchen keine Alterung.
die großen Hunde sind häufig "überzüchtet" und sterben z.B. an einer Gelenkentzündung oder Magendrehung. Es gibt auch kleine Hunderassen, die früher sterben. Wölfe haben dagegen eine sehr robuste Gesundheit und können ungeahnte Kräfte entwickeln (z.B. Wolfshybride im Gehege).
Denke für uns kann vor allem der, optisch nicht übermäßig ansprechende, Nacktmull sein. Er kann fast 30 Jahre alt werden und somit ca. 10mal so alt wie Säugetiere vergleichbarer Größe. Er ist in vielerlei Hinsicht speziell. Er kann z.B. bei Sauerstoffmangel seinen Stoffwechsel von Glucose auf Fructose umstellen. Auch die "Metamorphose", die die zuvor unfruchtbaren Weibchen durchmachen, wenn sie zur Königin werden ist meines Wissen einzigartig unter Säugetieren.
Für uns ist aber m.e. vor Allem ihre Resistenz gegen Krebs interessant. Auf Wikipedia steht hierzu folgendes:
Zitat
Lebenserwartung
Nach Sherman und Jarvis können Nacktmulle deutlich älter als 15 Jahre werden. Beide schildern den Wurf eines 21,7 Jahre alten Weibchens, andere Autoren wiesen ein Alter von mehr als 28 Jahren nach.[5][6] Damit übertreffen Nacktmulle andere Nagetiere wie Maus, Ratte und Hamster um ein Vielfaches. Während letztere meist durch Krebserkrankungen sterben (oder gefressen werden) und dies durch eine hohe Reproduktionsrate kompensieren, sind das Genreparatursystem und die Proteinstabilität bei Nacktmullen offenbar erheblich besser ausgebildet.
Eine Studie aus dem Jahr 2013 legt als Ursache eine spezielle Version des Glykosaminoglykans Hyaluronsäure nahe, die etwa fünfmal so groß ist wie beim Menschen oder Nagetieren und mit dem Zellunterscheidungscluster CD44 interagiere, das eine frühzeitige Erkennung von Krebszellen (und eine gesteigerte Kontaktinhibition) erlaube. Das extrazelluläre kettenförmige Glykosaminoglykan Hyaluronsäure werde zudem wesentlich langsamer abgebaut als bei anderen Tierarten oder dem Menschen.[7][8]
Als weitere Ursache für den Krebsschutz der Nacktmulle wird seit langem auch das Blutprotein Alpha2-Makroglobulin (A2M) u. a. an der Universität Leipzig erforscht. Vermutlich unterbricht es die Signalwege, die gesunde Zellen veranlassen, sich in Krebszellen zu verwandeln. Es kommt auch im Menschen vor, seine Konzentration nimmt aber hier ab dem Alter von 20 Jahren kontinuierlich ab. Beim Nacktmull hingegen bleibt sie lebenslang konstant hoch.[9] Da man sich hierdurch auch Krebsschutz für den Menschen verspricht, wurden die A2M von Nacktmull und Mensch verglichen.[10]
Weiterhin gibt es lt. Birkenmeier auch Hinweise auf einen Einfluss der Darmflora, die der hundertjähriger Japaner auf der Inselgruppe Okinawa ähnle
Der Grönlandhai wird ~500 Jahre alt und der Grönlandwal über 200. Was lernen wir daraus? - Ich bin vorhin zum Amt und habe den Namen Grönlandstef beantragt. Außerdem habe ich die Heizung ausgeschaltet. ;-)
Schätze beide haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und die Kälte hilft tatsächlich. Dürften auch relativ langsam und lange wachsen und mit wenig Sauerstoff auskommen.
Guten Rutsch euch allen, danke für das super Forum.
Zitat von Stef im Beitrag #8Der Grönlandhai wird ~500 Jahre alt und der Grönlandwal über 200. Was lernen wir daraus? - Ich bin vorhin zum Amt und habe den Namen Grönlandstef beantragt. Außerdem habe ich die Heizung ausgeschaltet. ;-)
Schätze beide haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und die Kälte hilft tatsächlich. Dürften auch relativ langsam und lange wachsen und mit wenig Sauerstoff auskommen.
Guten Rutsch euch allen, danke für das super Forum.
Ja, sehr interessant und der Papagei kann 50 Jahre alt werden und ist nur klein, hat aber einen schnellen Stoffwechsel, ganz im Gegensatz zum Grönlandwal Was sagt uns das? Der Vogel lebt in warmen Gegenden, vielleicht dann doch lieber wie der Grönlandhai, also Heizung aus, Gefrierschrank auf in guter Hoffnung, auf die nächsten 100 Jahre.
Wie war das noch mit den Schildkröten, werden die nicht auch uralt und leben in brütend, heißen Gefilden?
Der Dalmatiner meiner Schwester war ein sehr großer Hund und ist fast 20 Jahre alt geworden, die Größe besagt also überhaupt nichts über die Lebenszeit.
Zitat von parcel im Beitrag #9[...]die Größe besagt also überhaupt nichts über die Lebenszeit.
Ich würde eine derartige absolute Aussagen nicht tätigen wollen.
ZitatZumal eine Studie mit mehr als 2600 finnischen Spitzensportlern zeigte, dass Langläufer durchschnittlich 15 Zentimeter kürzer sind als Basketballspieler – aber fast sieben Jahre länger leben. Und Japaner, die 100 Jahre alt werden, sind im Durchschnitt 10 Zentimeter kleiner als solche, die mit 75 Jahren dahinscheiden.
ZitatFindings based on millions of deaths suggest that shorter, smaller bodies have lower death rates and fewer diet-related chronic diseases, especially past middle age. Shorter people also appear to have longer average lifespans. The authors suggest that the differences in longevity between the sexes is due to their height differences because men average about 8.0% taller than women and have a 7.9% lower life expectancy at birth.