Arginin ist schon an verschiedenen Stellen im Forum erwähnt worden, hat aber sicherlich auch ein eigenes Thread verdient.
Arginin ist eine semiessentielle Aminosäure, die für zahlreiche biologische Funktionen wichtig ist. Arginin als Supplement (also nicht in Form von Protein in der Ernährung ,sondern in pharmakologischer Dosierung als Reinsubstanz in Kapsel- oder Pulverform) werden auch zahlreiche Anti-Aging-Eigenschaften zugeschrieben. Diese Eigenschaften werden hauptsächlich durch eine Steigerung der Stickstoffmonoxid-Produktion begründet, die zu einer Gefäßweitung (Blutdrucksenkung, Förderung der Durchblutung), einer Leistungssteigerung des Immunsystems und einer Förderung der Wundheilung wichtig ist.
Auch die Telomerase-Aktivierung durch Arginin ist für uns sicher nicht uninteressant!
Jetzt die andere Seite der Medaille: Ist Arginin grundsätzlich immer nur positiv zu sehen? Nein, denn ein Zuviel an Nitrostress kann auch wieder schädlich wirken. Genau wie ein Zuviel an freien Sauerstoffradikalen. Die freie Radikal-Theorie als Altersursache hat in meinen Augen zwar längst ausgedient, aber eine Überlastung des Organismus mit freien Radikalen verursacht unbestreitbar auch diverse Schäden, und das gilt auch für zuviel Nitrostress. Zum Beispiel ist Arginin nach Herzinfarkt definitv keine gute Idee:
L-arginine therapy in acute myocardial infarction: the Vascular Interaction With Age in Myocardial Infarction (VINTAGE MI) randomized clinical trial. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16391217
Neben der Dosierung sind die Wirkungen auch von Dauer der Supplementierung abhängig. Durch einen Dauergebrauch kann man nämlich genau das Gegenteil des gewünschten Effektes erreichen:
Wenn du beginnst, Arginin längerfristig in hoher Dosierung zu supplementieren, wird das unweigerlich zu einer Steigerung von Arginase II führen - mit den beschiebenen unerwünschten Effekten. Grob abgeschätzt dürfte das bereits nach ca. 3 Tagen Daueranwendung einteten. Die in der zitierten Studie gezeigten negativen Effekte auf die Endothelzellen wurden nach 7 Tagen Arginin-Exposition festgestellt.
Arginin ist wie eine Art Gefäß-Training. Wenn du Kraftsport machst, würdest du ja auch nicht auf die Idee kommen, nach einem Brustmuskeltraining am nächsten Tag mit Muskelkater diekt wieder Brustmuskeln zu trainieren, nicht wahr?
Na gut, dann entsteht die Frage nach der Dosierung. Was ist hoch und damit zu hoch? Da scheint doch offensichtlich eine recht hohe Schwelle zu liegen, auch wenn man bedenkt, daß in vielen gesunden Nährstoffen Arginin enthalten ist.
Auch die Aussage zu Arginin und Herzinfarkt verwundert mich etwas, habe ich doch gelesen, daß Arginin eben nicht nur Herzinfarkt u. ä. durch die von Dir genannte Wirkung vorbeugen kann, sondern eine hohe Gabe von Arginin im Falle eines Infarktes die Sterblichkeit deutlich senkt und mittlerweile klinisch wohl auch schon weitgehend Standard ist. Weshalb wäre dann im Nachhinein dieselbe Wirkung von Arginin kontraproduktiv?
Mit Muskelkater würde ich sicher nicht am nächsten Tag denselben Muskel erneut trainieren, aber ohne Muskelkater und mit etwas weniger Belastung kann man natürlich jeden Tag denselben Muskel trainieren.
Zitat von Tizian im Beitrag #4Na gut, dann entsteht die Frage nach der Dosierung. Was ist hoch und damit zu hoch? Da scheint doch offensichtlich eine recht hohe Schwelle zu liegen, auch wenn man bedenkt, daß in vielen gesunden Nährstoffen Arginin enthalten ist.
Ja, die Schwelle zu unerwünschten Effekten ist hoch anzusiedeln und gilt nur für isoliertes Arginin. In Lebensmitteln enthaltenes Arginin flutet nicht so schnell im Körper an und erreicht daher auch keine hohen Serumkonzentrationen.
Auch die Aussage zu Arginin und Herzinfarkt verwundert mich etwas, habe ich doch gelesen, daß Arginin eben nicht nur Herzinfarkt u. ä. durch die von Dir genannte Wirkung vorbeugen kann, sondern eine hohe Gabe von Arginin im Falle eines Infarktes die Sterblichkeit deutlich senkt und mittlerweile klinisch wohl auch schon weitgehend Standard ist. Weshalb wäre dann im Nachhinein dieselbe Wirkung von Arginin kontraproduktiv?
Ich hätte mir von Arginin auch mehr positive Effekte in der Herzinfarkt-Therapie erhofft. Arginin scheint bei akutem Herzinfarkt nicht zu wirken. Siehe z.B. hier Warum das so ist, weiß ich nicht.
Also wir, haben auch schon L Arginin, in Form von Kapseln ausprobiert und haben uns unter der Einnahme nicht wohl gefühlt. Mein Mann treibt viel Sport, ich gar keinen, aber die Wirkung war bei beiden gleich unangenehm. Ich habe mich unter der Einnahme leicht gereizt gefühlt und mein Mann war auch etwas aggressiv dadurch, unsere gute Laune, die wir ansonsten meistens haben, ist darunter verschwunden . Aus diesem Grunde haben wir die Einnahme auch schnell wieder beendet.
Zitat von Speedy im Beitrag #7Ich hatte nach der Einnahme von Arginin (auch in recht geringer Dosis) Schlafstörungen bekommen.
Wir haben auch mit einer abendlichen Einnahme von 500mg begonnen und ich konnte davon auch nicht einschlafen. Dann habe ich die Einnahme auf morgens verlegt, das Ergebnis war, Gereiztheit und schlechte Laune. Seitdem halte ich persönlich von Arginin nichts mehr, denn das Wichtigste ist doch, dass man sich auch wohl fühlt mit seiner Supplementierung.
also jeder reagiert offensichtlich anders, denn ich nehme ca. 3-5 Gramm Arginin bzw. Citrullin abends zusammen mit Glycin, Taurin, Glutamin und Cholin und habe weder Einschlafprobleme noch andere Nebenwirkungen feststellen können.
Verträglichkeitsprobleme habe ich selber auch bei Dosierungen von bis zu 4x4g täglich nicht gehabt.
Ich nutze Arginin vor allem im Rahmen meines Vascular Rejuvenation Programmes und im Rahmen meines Telomere Elongation Programmes. Demnächst auch beim Senolysis-Programm, aber immer nur als "Booster".
Arginin passt auch gut in eine Pre-Workout Supplementierung. Dafür nutze ich es aber nur gelegentlich, nicht regelmäßig.
also jeder reagiert offensichtlich anders, denn ich nehme ca. 3-5 Gramm Arginin bzw. Citrullin abends zusammen mit Glycin, Taurin, Glutamin und Cholin und habe weder Einschlafprobleme noch andere Nebenwirkungen feststellen können.
Vielleicht bekommt Dir Arginin so gut, weil Du es in dieser Konstellation nimmst, also zusammen mit Cholin und anderen Aminosäuren, das wäre möglich. Denn merkwürdig ist schon, dass es weder meinem Mann (der vom Typ her völlig anders ist als ich), noch mir, gut bekommen ist.
L-Citrullin kenne ich gar nicht, auf jeden Fall habe ich keine persönliche Erfahrung damit. Mit L-Arginin habe ich mehrere Versuche im Laufe der letzten Jahre gestartet und leider immer mit dem selben negativen Ergebnis.
also jeder reagiert offensichtlich anders, denn ich nehme ca. 3-5 Gramm Arginin bzw. Citrullin abends zusammen mit Glycin, Taurin, Glutamin und Cholin und habe weder Einschlafprobleme noch andere Nebenwirkungen feststellen können.
Vielleicht bekommt Dir Arginin so gut, weil Du es in dieser Konstellation nimmst, also zusammen mit Cholin und anderen Aminosäuren, das wäre möglich. Denn merkwürdig ist schon, dass es weder meinem Mann (der vom Typ her völlig anders ist als ich), noch mir, gut bekommen ist.
LG, parcel
Hallo Parcel,
keine Ahnung, kann sein, aber auch nicht. Aber wenn Portionen bis 10-12 Gramm als völlig unbedenklich erprobt gelten, dann sind es 3-5 Gramm sicher und dann könnte es vielleicht bei 500mg!!! ein Placeboeffekt bei Dir und Deinem Mann sein.
das liest sich, als wärest Du leicht gereizt . Nicht jeder der anders auf Wirkstoffe reagiert als Du, ist gleich Opfer eines Placebo Effektes. Ich kann Dich also beruhigen, denn wir neigen keineswegs dazu uns immer gleich etwas einzubilden .
nein, ich bin weder selbst gereizt noch wollte ich Dich reizen oder Dir etwas unterstellen. Ich wollte nur mal in den Raum werfen, daß bei so einer geringen Menge wie ihr sie probiert habt eben vielleicht auch der Effekt greifen könnte. Nicht mehr und nicht weniger. Also sorry, wenn es anders rüberkam, ich habe es nicht böse oder gar "vorwurfsvoll" gemeint!
nein, ich bin weder selbst gereizt noch wollte ich Dich reizen oder Dir etwas unterstellen. Ich wollte nur mal in den Raum werfen, daß bei so einer geringen Menge wie ihr sie probiert habt eben vielleicht auch der Effekt greifen könnte. Nicht mehr und nicht weniger. Also sorry, wenn es anders rüberkam, ich habe es nicht böse oder gar "vorwurfsvoll" gemeint!
meine eigentlich Intention war die, das ich als großer und überzeugter Freund von der starken Wirkungskraft und Bedeutung der Aminosäuren auf den menschlichen Körper, es sehr schade finden würde, wenn ihr nicht von den aus meiner Sicht segensreichen Wirkungen z. B. von Arginin profitieren könntet.
Aber wie schon geschrieben, jeder reagiert natürlich anders auf die unterschiedlichsten Substanzen.
Danke für den Hinweis! Meinen Eingangspost habe ich entsprechend editiert.
Citrullin kann man als kurzfristigen "Zwischenspeicher" für Arginin betrachten. Die Frage ist allerdings, ob die gewünschten Arginin-Anti-Aging Effekte (siehe Eingangspost) wirklich auch mit Citrullin erzielbar sind:
Naja, immerhin ist die NO-Synthese in den Älteren um den Faktor 2,5 gestiegen. Das war zwar signifikant weniger als in den Jungen (woraus gefolgert wurde, dass Citrullin-Mangel nicht die alleinige Ursache sein kann), aber immerhin....
also ich nehme Arginin und Citrullin in den normalen Dosen kontinuierlich, um die bekannten positiven Auswirkungen, insb. den Arterienschutz permanent zu haben, aber unterschiedlich ein. Das heißt, mal separat, mal zusammen. An Trainingstagen, insbesondere im Rahmen eines selbst zusammengestellten Boosters vor dem Training zur Leistungssteigerung zusammen, auch in etwas höherer Gesamtdosierung über den Tag gesehen, da ich dann auch noch einmal abends zur Regeneration beide zuführe. An Nichttrainingstagen dann in geringerer bzw. normaler Dosis 3-5 Gramm und separat rein als Arterioskleroseschutz.
Ich kombiniere aber beide AS generell auch noch mit anderen AS, um die Wirkung bzw. den Nutzen zu steigern, z. B. mit Ornithin, Tyrosin, Glycin, Cholin usw.
Eine- wie ich finde- sehr interessante Arbeit, die vor allem in Richtung "Mitochondrial Theory of Aging" geht: Arginin ist einer der stärksten Promoter für GH (Wachstumshormon) und mit Mitte 20 stellt der Körper die Produktion dieser nicht-essentiellen Aminosäure zunehmend ein. Damit einhergehend kommt es zu einer verminderten ATP-Produktion in den Mitochondrien
Zitat We studied the action of guanidine on the functional activity of mitochondria. Mitochondria showed a trend to inhibition of oxidative phosphorylation in the presence of different guanidine concentrations. Also, an oscillatory volume changes shrinkage-swelling of mitochondria ¬- are largely abolished and pH changes of incubation medium in addition of ADP are inhibited in the presence of guanidine ion. The mechanism of inhibition of these processes is explained by mechano-chemiosmotic model. In the article, it is discussed that a disruption of the movement of calcium ions (which are moved cyclically between the external environment (cytosol), the matrix and intermembrane space) by various agents, including guanidine leads to disruption of ATP synthesis. We conclude that the L-arginine (2-Amino-5-guanidinopentanoic acid) deficiency in a body leads to a decrease in energy production and, also, it is the cause of aging, type 2 diabetes, cancer and other diseases. ... Arginine is a stimulator of growth hormone [35], and the organism stops the synthesis of arginine in order to limit the growth after 28 years of age for a human (when a body stops growing and begins its aging). With the shortage of arginine in the body, primarily synthesis of ATP by oxidative phosphorylation in the mitochondria is decreased, also ATP synthase may not be synthesized. Therefore, to compensate for the energy loss, the body shifts to a low-efficiency glycolysis [36] which is accompanied by the occurrence of type 2 diabetes.
In Folge der erniedrigten Effizienz kommt es zu einer erhöhten Produktion von ROS (oxid. Streß) und Schädigung von mitochondrialen Funktionen sowie des Zellkerns (Krebsrisiko!). Durch das fehlende Arginin als Ausgangssubstrat für NO kommt es zu einer Schädigung des Entothels (Artheriosklerose, Entzündungen) sowie zu einer verminderten Produktion von Telomerase und somit zu einer Telomerverkürzung:
Zitat Then, changing the structure of the mitochondria occurs, which are in a swollen state [37]. We assume that such a structure promotes reactive oxygen species (ROS) production by cytochrome bc1 [38] in excess, which in turn causes the first mutation of the mitochondrial DNA, and then, the nuclear DNA [39]. Hence, DNA mutations cause cancer. Morever, telomeric repeat-binding factor 2 (TRF2) functions to protect telomeres and contains an N-terminal basic domain rich in arginines [40]. Arginine methylation regulates telomere length and stability. The repeated addition of the nitric oxide (NO) donor S-nitroso-penicillamine (L-arginine is a substrate for NO synthase, which catalyzes nitric oxide synthesis [36]) significantly reduced endothelial cells senescence and delayed age-dependent inhibition of telomerase activity [40]. Obesity or hypertension, the excess formation of reactive oxygen species (ROS) can lead to an accumulation of asymmetric dimethyl arginine (ADMA) [41,42]. This accumulation of ADMA competitively inhibits NO synthase (NOS), which decreases NO production. With limited L-arginine, NOS forms superoxide (O-), which causes vascular endothelial injury and further inflammation [43]. Rafikov et al. [44] found that in the absence of ADMA, endothelial nitric-oxide synthase (eNOS) translocation decreased mitochondrial oxygen consumption and superoxide production without altering cellular ATP level.
Aufgrund dieser postulierten Wirkungskette, die fast einer Unified theory of aging gleichkommen würde, empfiehlt der Autor ab Mitte/Ende seiner Zwanziger eine erhöhte Zufuhr von Arginin, entweder über die Nahrung oder durch direkte Supplementierung:
Zitat While the deficit of L-arginine in the body is the cause of many diseases, premature aging and reduce life expectancy. In conclusion, it should be noted that aging of humans can be delayed after stopping of synthesis of endogenous arginine in the body (after about 28 years of age) by taking exogenous L-arginine (or L-arginine rich foods) and performing physical exercise, in which the possibility of prolonging human healthspan appears.